Views
2 years ago

MOTOREX Magazine 2015 104 AT

MOTOREX Magazine 2015 104 AT

REPORT FORTSETZUNG

REPORT FORTSETZUNG Safari, 1976 Sahara, 1978 High Speed 375 C, 1971 High Speed 375/4, 1971 Hai 450 SS, 1970 Peter Monteverdi 1934–1998. JEDES JAHR EIN NEUES MODELL Nach der Präsentation des 375 S auf der Frankfurter Automesse 1967 wurde Monteverdi vom Erfolg überrannt, und Frua konnte der Nachfrage aus Kapazitätsgründen nicht nachkommen. Dadurch wurde der Basler Autobauer gezwungen, die Produktion zu Fissore, einem spezialisierten Karosseriebauer aus Turin, zu verlagern. Nicht ganz zum Behagen von Frua, der seine Rechte am Design geltend machte. Daraufhin setzte sich Peter Monteverdi persönlich ans Zeichenbrett (damals noch ganz ohne Computer) und entwarf den 375 L. Ein grandioser 2 + 2, der seinem Vorgänger in keiner Hinsicht nachstand und am Genfer Salon 1968 debütierte. Natürlich mit Assets wie Getriebeautomat und Klimaanlage, was die internationale Klientel besonders ansprach. Auf dieser Basis entstand 1969 das zweisitzige Coupe 375 S und später dann auch ein Cabriolet. Pünktlich nach einem Jahr erweiterte man 1970 das Modellprogramm um den 375/4, eine 4-türige Luxuslimousine. MIT MITTELMOTOR: HAI 450 SS Wie von einem anderen Planeten heruntergebeamt, stand im März 1970 der Prototyp des Mittelmotor-Sportwagens Monteverdi Hai 450 SS mit seinem 450 PS starken 7-Liter- Mopar-Hemi-Motor am Genfer Salon. Dieser Wagen wurde dann später verkauft, und weitere drei Fahrzeuge wurden in verschiedenen Ausführungen gebaut. Diese befinden sich heute allesamt im Monteverdi-Museum. So war es Monteverdi gelungen, sich in nur wenigen Jahren im stark umkämpften Luxussegment neben Ferrari, Maserati und Lamborghini zu etablieren. Die Nachfrage war gut, und die Produktion lief permanent auf Hochtouren. Die Endmontage fand in den eigenen Räumlichkeiten in Binningen statt. Bis dann 1974 auch Monteverdi ein Opfer der Oelkrise wurde. Neue Perspektiven waren gefragt. Diese fanden Monteverdi und seine rechte Hand Paul Berger, welcher seit 1962 weltweit den Verkauf betreute, in der S-Serie. VISIONÄR IN DIE ZUKUNFT Die neue S-Serie setzte sich aus den Modellen Safari (SUV), Sahara (4x4) und Sierra (Limousine, Cabriolet und Kombi) zusammen. Somit nahm Monteverdi Jahre vor dem grossen SUV-Boom bereits die Idee der luxuriös ausgestatteten Geländewagen mit Servolenkung, Automat und Klimaanlage vorweg. Auf der Basis von International Scout wurde der Safari dem englischen Range Rover nachempfunden. Den Ur-Range-Rover baute man übrigens in Binningen vom 3- zum 5-Türer um und bediente damit sogar das englische Königshaus. Der etwas einfacher ausgestattete Bruder des Safari hiess Sahara. Diese Geländewagen waren der grösste kommerzielle Erfolg von Monteverdi und wurden in die ganze Welt, vorzugsweise in den 12

Sierra, 1977 Peter Monteverdi Formel 1 Sierra Convertible, 1978 Military 230 M, 1979 Das Markenzeichen wird mit den Schweizer Landesfarben rot/weiss und der Krone aus dem Familienwappen der Monteverdis geschmückt. Hai 650 F1, 1992 Nahen Osten, exportiert. Eine glückliche Hand hatte der Schweizer Autobauer auch mit der Namensfindung der auf dem US-Modell Dodge Aspen basierenden Sierra- Familie, deren Namensrechte Monteverdi rechtzeitig schützen liess. Dem Weltkonzern Ford gefiel der Namen so gut, dass er ihn Monteverdi abkaufte.. EIN MUSEUM UND EIN CLUB Anfangs der 80er Jahre waren in Binningen die Tage der Fahrzeugproduktion gezählt. Nach einem Nein aus Bern zu zwei robusten, geländetauglichen Prototypen für das Militär reduzierten sich die Produktionszahlen laufend. 1982 wurde die Produktion eingestellt. Unter dem Label «Monteverdi Design» konnte Peter Monteverdi jedoch sein gestalterisches Können in verschiedenen Bereichen vermarkten. Wegen der inzwischen umfassenden Sammlung seiner Schöpfungen entschloss sich der 51-Jährige, aus dem Firmensitz ein Museum zu machen. Noch im selben Jahr wurde mit tatkräftiger Unterstützung des befreundeten Carrossiers Ruedi Wenger der MC (Monteverdi-Club) gegründet. und Peter Monteverdi. Am Steuer sassen Foiteks Sohn Gregor und JJ Lehto. Leider mangelte es massiv an Sponsorengeldern, und das Monteverdi-Team musste noch während der Saison das Projekt Formel 1 abbrechen. Aus den Restbeständen der Formel-1-Technik baute man 1992 den Hai 650 F1. Davon wurden zwei Stück mit Karbon- Karosserie und dem 650-PS-starken Cosworth-V8-Motor gebaut. Von nun an wurde es ruhig um den letzten Autobauer der Schweiz. Peter Monteverdi verstarb 1998 mit 64 Jahren an Krebs und hinterliess markante Spuren in der Automobilgeschichte. Wäre da nicht sein eiserner Wille, gepaart mit Fleiss und Können, gewesen, wäre die Nachwelt heute um eine der wenigen Schweizer Automobilmarken ärmer. • LETZTER EXKURS IN DIE F1 Für grosses Aufsehen, wenn auch nicht beabsichtigt, sorgte 1990 der Kauf des britischen Onyx-Formel-1-Rennstalls durch den Schweizer Unternehmer Karl Foitek (Garagen) Monteverdi Automuseum Monteverdi-Club Oberwilerstrasse 20 Herr Peter Giger CH-4102 Binningen/Basel Reinacherstrasse 40 Tel. +41 (0)61 421 45 45 CH-4106 Therwil www.monteverdi.ch www.monteverdi.net MOTOREX MAGAZINE 104 AT I APRIL 2015 13

MOTOREX PORTRAIT

MOTOREX MAGAZINE

MOTOREX Magazine - Deutsch

MOTOREX Magazine - Français

MOTOREX Magazine - English

BROCHURES