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MOTOREX Magazine 2010 90 DE

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REPORT FORTSETZUNG

REPORT FORTSETZUNG Fotos: F. Amweg, P. Müri, Traktorenbuch (siehe auch www.fm-modellbau.ch) Josef Köpfli darf als Universaltalent bezeichnet werden. Das zeigen die vielen technischen Errungenschaften, welche von der Köpfli-Vorderachse mit Zahnradlenkung im Oelbad über hydrostatische Antriebe, Pistenfahrzeuge, Ladewagen bis zur Entwicklungs-Zusammenarbeit für die tausendfach gebauten Ford-Traktoren reichen. Hightech anno 1964 – der Köpfli- Synchromat. Ein 75 PS starker Allrad-Traktor mit gefederter Pendel-Vorderachse und Frontsowie Heck-Antriebwellen. Der Kühler befand sich vor den Füssen des Fahrers. wichtigsten Betätigungsfeldern des vielseitig interessierten und stets umtriebigen Konstrukteurs gehörten: • Konstruktion kompletter Traktoren und Landmaschinen • das gesamte Gebiet der Antriebstechnik, insbesondere Hydrostatik • Ganzrankvorderachsen mit Zahnradlenkung • Lenktriebachsen für Schindler • Federspeicher für die Fahrzeughydraulik • spezielle Getriebe- und Abtriebsysteme Josef Köpfli war mit seinen Erfindungen dem Markt immer mehrere Schritte voraus. Als nimmermüder Tüftler arbeitete er oft bis früh in die Morgenstunden, um seine Gedanken und Ideen am Zeichenbrett fein säuberlich auf Planpapier zu bringen. Das letzte angefangene Projekt, einen Grosstraktor mit quer zur Fahrtrichtung eingebautem Motor, konnte der in Wil/St. Gallen lebende nicht mehr zu Ende führen, er starb am 14. Oktober 1988 in Wil an einem Herzversagen. AMWEG AUF DEN SPUREN VON KÖPFLI Arnold Amweg (1921–2007) vertrat in seiner mechanischen Werkstatt in Ammerswil/AG seit 1950 Köpfli-Traktoren und hielt grosse Stücke auf Josef Köpfli – Amweg und Köpfli sprachen dieselbe Sprache und teilten eine ähnliche Weltanschauung. Gerne erinnert man sich in der Familie Amweg an den 18-jährigen Arnold Amweg. Zusammen mit seinem Bruder baute er aus Autoteilen einen ersten Traktor. Als Werkstatt diente ein kleiner Raum. Als der Traktor fertig war, stellten die beiden Fahrzeugbauer mit Schrecken fest, dass die Türe zum Hinausfahren viel zu klein war. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als einen Teil der Wand herauszubrechen, was ihren Vater nicht gerade amüsierte. 1964 wurde der Bau der Köpfli-Traktoren bei der Maschinenfabrik Freienbach eingestellt. Amweg übernahm alle noch vorhandenen Bauteile, das Ersatzteillager und die Produktionsrechte. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Köpfli-Traktoren in Ammerswil zusammengebaut und laufend verbessert. Sohn Fredy trat nach seiner Lehre als Mechaniker alsbald in den väterlichen Betrieb ein. Ab 1979 wurden die meisten Bauteile für die Traktoren, welche nun den Namen Köpfli-Amweg trugen, selber hergestellt. Mit einer leistungsstarken MAAG-Verzahnungsmaschine stellte man bald selber Zahnräder her und verbesserte die Konstruktion des Getriebes, welches so für die immer höheren Motorenleistungen ausgelegt war. Wegen den 12

Erster Köpfli-Amweg-Traktor Typ 475 im Jahre 1975 mit Perkins-4-Zylinder- Dieselmotor und selbstgestalteter Fronthaube. Arnold Amweg im Aktivdiensturlaub 1941 mit seinem ersten selbstgebauten Traktor. Die Testfahrt dauerte mangels Zündschloss bis der Tank leer war. Köpfli-Traktoren erkennt man auch von Gehör – hatten die Getriebe doch den legendären «direkten Gang» und ermöglichten so Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 70 km/h! geringen Stückzahlen fertigten die Amwegs das Kupplungs- und Getriebegehäuse als eine Schweisskonstruktion. Auch dieses 5-Gang-Getriebe besass eine lastschaltbare Untersetzung sowie Kriechganggruppe. Bei den letztgebauten Traktoren erfolgte die Lastschaltung sogar elektrohydraulisch. Immer zugeschnitten auf die jeweiligen Kunden baute man so in Ammerswil im Jahr so zwischen 3 und 4 Traktoren. Ab 1978 gab es auf Kundenwunsch auch eine Schindler-Lenk-Triebachse (System Köpfli), also einen 4-Rad-angetriebenen Köpfli-Amweg! Insgesamt wurden so um die 70 Traktoren gebaut. Der letzte Köpfli-Amweg Typ 4-90 (mit 6-Zylinder-Dieselmotor von Perkins mit rund 100 PS) wurde 1991 in Ammerswil fertiggestellt. TREFFPUNKT FÜR KÖPFLI-FANS Neben dem Traktorenbau haben sich Arnold und Fredy Amweg einen ausgezeichneten Ruf als Zahnrad- und Getriebebauer geschaffen. Selbst in hoffnungslosen Fällen kann Fredy Amweg bei Getriebeschäden weiterhelfen. Nach dem Tod von Vater Arnold im Jahre 2007 wird Fredy Amweg immer öfter von enthusiastischen Oldtimer-Traktorenbesitzer aufgesucht. Köpfli-Traktoren werden heute weit über die Landesgrenzen hinaus gesammelt und sind in der Schweiz vielerorts auch noch täglich im Einsatz. «Doch kaputt geht bei den robusten Eidgenossen kaum jemals etwas», weiss Fredy Amweg zu berichten. HOBBY MOTORSPORT In der Freizeit baute Arnold Amweg dem jungen Fredy schon bald einen motorbetriebenen Go-Kart und legte so den Grundstein für eine erfolgreiche Motorsport-Laufbahn des Sohnemanns. Zusammen haben Vater und Sohn die nationale Rennlizenz erworben und waren an den verschiedenen Bergrennen ein erfolgreiches Team – natürlich auf einem selbstkonstruierten Formel-2-Rennwagen. Fredy Amweg brachte es so zum mehrfachen Berg- und Formel-2 Schweizer Meister. Seit Aufnahme der Tätigkeit hat MOTOREX die schmiertechnischen Aufgaben im Hause Amweg gelöst und gehört heute beinahe zur Familie. • SPEZIALIST FÜR VERZAHNUNGEN Heute arbeitet Fredy Amweg zusammen mit seinem Sohn Thomas immer noch in der väterlichen Werkstatt in Ammerswil. Vom Personen- über den Lastwagen bis zum Traktor, alles wird repariert und gewartet. Immer mehr haben sich die beiden aber als Spezialisten für Verzahnungen weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. So löst der Zweimannbetrieb gekonnt selbst ausgefallene Wünsche und stellt teilweise ohne Zeichnungen Einzelanfertigungen von Getriebeteilen her. Zum Kundenkreis gehören neben Rennfahrern immer öfter auch Besitzer von historischen Strassen- und Wettbewerbsautos. www.fredyamweg.ch MOTOREX MAGAZINE I AUGUST 2010 13

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