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MOTOREX Magazine 2005 74 DE

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R eport R eport 10 12

R eport R eport 10 12 Der Nachname Baumann in Kombination mit dem italienischen Vornamen Sandro steht in der InCA World Classic Series für den zweifachen Europameister, Sandro Baumann aus Pregassona. Ein Report über die Faszination, mit alten Eisen Rennen zu fahren. Classic Bike Racing: Schieber hoch! Die NORTON MANX und Sandro verschmelzen im Rennen zu einer Einheit und überzeugen durch Schräglage und Akustik. Hier wird getüftelt und optimiert – die Norton-Motoren werden in England übrigens in Kleinserien wieder hergestellt. Foto: Oliver Rennenfahren auf klassischen englischen Strassenboliden aus den 60er und 70er Jahren strahlt eine ganz besondere Faszination auf den 47jährigen Tessiner und erfolgreichen Motorradvertreter Sandro Baumann aus. Es sind nicht nur die Geschwindigkeit und das Aushecken der idealen Strategie vor jedem der rund 6 Rennen mit Doppelwertungen pro Saison, vielmehr lebt in jedem Fahrer bei den Rennen ein Stück Rennsportgeschichte aus der «guten alten Zeit» auf, als man im Strassen-GP-Zirkus noch eine grosse Familie war. «Heute ist mir die Strassen-WM viel zu wenig bunt, geradezu steril. Man kommt als Normalsterblicher nicht mehr nahe genug an die Fahrer heran», meint Sandro dazu. Ein Revival der «wilden Jahre» Mit einem Funkeln in den Augen erinnert sich Sandro noch an die grossen Namen wie Barry Sheene, welcher leider kürzlich an Krebs gestorben ist, Kenny Roberts oder Johnny Cecotto – sie waren in den «wilden» Jahren die Idole tausender motorradbegeisterter Männer (und Frauen)! Sie waren publikumsnah, schrieben jeder auf seine Art Motorsportgeschichte und hatten tonnenweise Charisma. Auch Sandro packte schon früh das Motorradvirus, und so startete er bereits in den Jahren 1976 und 77 auf einer YAMAHA 354 TZ gelegentlich an Rennen der Schweizer Strassenmeisterschaft. Ein Unfall setzte seiner Karriere ein jähes Ende, und so floss 1978 seine Energie voll und ganz in den Aufbau seiner HONDA- und SUZUKI-Vertragswerkstatt in der Nähe von Lugano. Anfänglich arbeitete der «Padrone» nie weniger als 12 Stunden am Tag, mal 6 natürlich, und der Erfolg seines Unternehmens weit über die Kantonsgrenzen hinaus gab ihm recht. Im Innersten waren aber immer noch die Keime des Rennsportvirus vorhanden und 1998, durch die Initiative eines guten Freundes, Sebastiano Mascheroni, stieg Sandro dann auf einer einzylindrigen NORTON MANX mit 500 ccm in die soeben gegründete InCA World Classic Series (siehe Kasten) ein. Der ideale Renn-Cocktail «Die InCA bietet einen fantastischen Mix aus Motorsport in einer internationalen und dennoch familiären Ambiance, unkompliziert und pur», gibt der vitale Tessiner nicht ohne Stolz zum Besten. Wer will, kann in der InCA zur Familie gehören und das auch ohne Millionenbudgets und Windkanal. An den Rennen wird jeweils volles Rohr gefahren und im Anschluss nicht selten mit dem ganzen Fahrerfeld grilliert. Man spricht dieselbe Sprache, auch wenn man kein Fremdsprachentalent ist. Besonders mag Sandro die nachvollziehbare Technik: «Da gibt es keine komplexen, elektronischen Motormanagement-Steuergeräte oder gar für jede Strecke eine andere Programmierung.» Nach der baumannschen Leistungskur verfügt der Motor nicht mehr über 50, sondern rund 60 echte Pferdestärken. Dazu gehört ein optimal bearbeiteter Zylinderkopf, nicht mit 4, sondern immer noch mit 2 Ventilen und vielen weiteren, natürlich streng vertraulichen Frisiermassnahmen der alten Schule. Das Reglement lässt da genügend Spielraum und abgestimmt werden die Maschinen mit der Stoppuhr und dem sogenannten Popometer (das Gesäss meldet dem Fahrer das Fahrverhalten direkt in den Zentralrechner, das Gehirn). Das «Refugium» Werkstatt Heute arbeiten bei Baumann rund 6 Personen, darunter auch der Vater und die Schwester, im Betrieb und jährlich werden rund 280 neue Motorräder ausgeliefert. Dabei leistet jeder vollen Einsatz, und Sandro kann sich auf sein Team verlassen. «Meinen Ausgleich zum hektischen Tages- Die InCA (International Classic Association) Die Kategorie wurde 1998 in England gegründet.Fahren dürfen Piloten mit einer internationalen FIM-Lizenz auf Rennmotorrädern mit einem Hubraum zwischen 351 und 500 ccm, welche vor dem Jahre 1973 gebaut wurden.Die Serie umfasst 6 Läufe über ca.45 km Distanz.Strassenmaschinen, auch umgebaute, werden nicht zugelassen. Es dürfen nur Originalteile oder deren Kopien verwendet werden.Diese dürfen modifiziert werden.Es gibt keine Gewichtslimiten.Slicks sind nicht erlaubt. Weitere Informationen unter: www.inca-racing.com geschäft finde ich abends und am Wochenende während ein paar Stunden im alten Keller der Vertragswerkstatt. Nein, nicht Hightech-mässig eingerichtet, schlicht und zweckmässig», lacht Baumann. Der Spass und die Befriedigung am Hobby stehen im Vordergrund. Das spürt man gleich raus. Dabei scheint es ihn auch nicht zu stören, dass man zu Beginn der Saison noch nicht genau weiss, wann und wo gefahren werden soll. Grund dafür ist das eher bescheidene Interesse der Medien, und dadurch ist es schwierig, die GP-Strecken zu vernünftigen Kosten zu buchen. Internationale Freundschaften Das Fahrerfeld, bestehend aus ca. 30 Piloten, ist ein bunt zusammengewürfelter Clan. Viele von ihnen kommen aus England, Holland, Belgien, Deutschland und der Schweiz. Auch aus Übersee sind ab und zu Fahrer am Start. Die besten Voraussetzungen, um internationale Freundschaften zu schliessen. So geht es nicht lange und ein Wiedersehen fern ab vom Renngeschehen wird organisiert. Durch die Classic Bike Rennen hat Sandro viele interessante Menschen kennengelernt und reiste mehrmals nach Australien und Neuseeland. «Ich hatte schon gemeint, dass es so etwas gar nicht mehr gibt. Es ist einfach beeindruckend, wie durch eine gemeinsame Passion eine solch’ überwältigende Gastfreundschaft entstehen kann», sagt Baumann begeistert. Selbst wenn am Ende der Saison nicht alle ganz oben auf dem Podest stehen können, ist die Teilnahme an der InCA Classic Bike Serie ein echter Gewinn – in motorsportlicher und kultureller Hinsicht! Foto: Oliver Foto:Gigi Lazzari Auch körperlich gefordert: Sandro Baumann bekommt nach seinem Einsatz am Bol d’Or 04 in Magny Cours eine Massage. Zwischendurch darf es auch mal etwas mehr Hubraum sein: Sandro auf einer TRIUMPH ROB NORTH 750 in Varano. Pokale sammeln sich im Büro von Sandro an – ein erfreulicher Nebeneffekt seiner motorsportlichen Vergangenheit. 13

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